Wichtige Begriffe rund um den Schlaganfall

Schon im Krankenhaus und auch später in der Reha oder Therapie wird man als Angehöriger oder Betroffener oft mit vielen unbekannten Begriffen konfrontiert. Um diese alle zu verstehen und den Überblick zu behalten, haben wir an dieser Stelle ein kleines Schlaganfall-Lexikon eingerichtet.

 

Alteplase

Alteplase ist ein Medikament, das zur Auflösung von Gerinnseln gegeben wird. Es wird bei einem ischämischen Infarkt gespritzt, damit die Durchblutungsstörung aufgehoben wird.

 

Aphasie

Aphasie ist eine Sprachstörung, die in unterschiedlicher Schwereform auftritt. Sie ist häufig eine Folge der Schädigung der linken Hirnhälfte nach einem Schlaganfall. Aphasie verändert die Fähigkeit, sich mit der Sprache auszudrücken, hat aber nichts mit geistiger Behinderung zu tun. Eine Sprachtherapie bei einem Logopäden ist häufig sinnvoll.

 

Ataxie

Ataxie ist eine Störung der Bewegung oder Koordination. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Formen, von einer Störung der Grobmotorik wie beim Gehen bis hin zur Feinabstimmung vieler kleiner Muskeln, etwas beim Sprechen.

 

Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein bewährtes, weltweit verbreitetes bewegungstherapeutisches Behandlungskonzept für Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen aufgrund neurologischer Funktionsstörungen. Es wird von Therapeutinnen und Therapeuten der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sowie von Ärztinnen, Ärzten und Pflegepersonal optimaler Weise in berufsübergreifender Zusammenarbeit angewandt.

 

Compliance

Unter Compliance (=Mitarbeit) versteht man in der Medizin die Therapietreue eines Patienten bzw. ob sich der Patient an die Ratschläge des Arztes / Therapeuten hält und umsetzt. Nach einem Schlaganfall muss der Betroffene zahlreiche Dinge neu erlernen. Dazu ist es unerlässlich, nicht nur während der Therapie mitzuarbeiten, sondern selbstständig zu Hause die Übungen zu wiederholen. Nur so kann ein Fortschritt erzielt werden.

 

Dysphagie

Dysphagie ist der wissenschaftliche Begriff für Schluckstörungen. Diese können auch aufgrund neurologischer Erkrankungen, wie etwa nach einem Schlaganfall, auftreten.

 

Ergotherapie

Ergotherapie ist die Schulung körperlicher und geistiger Fähigkeiten zur Wiederherstellung beziehungsweise Erhaltung der Selbstständigkeit des Patienten im persönlichen und sozialen Bereich. Ziel ist es, dass der Betroffene möglichst selbstständig seinen Alltag bewältigen kann. Tätigkeiten wie anziehen, einkaufen oder Wäsche waschen müssen viele Schlaganfall-Patienten neu erlernen.

 

Fallfuß / Fußheberschwäche

Der Fallfuß, auch Fußheberschwäche genannt, bezeichnet das Unvermögen, den Fuß beim Gehen anzuheben, sodass ein natürliches Gehen nicht möglich ist. Dadurch werden Ausweichbewegungen ausgeführt, die zu weiteren Komplikationen führen können. Folgen sind außerdem geringere Gehgeschwindigkeit, Gefahr zu stolpern und Angst, zu fallen. Unterstützung können verschiedene Orthesen oder auch die sogenannte Funktionelle Elektrostimulation (FES) bringen. Ziel ist es, dem Betroffenen den Alltag zu erleichtern und zu Mobilität und mehr Selbstständigkeit zu verhelfen.

 

FAST-Test

Mit dem FAST-Test prüft man einen Schlaganfall-Verdacht. FAST steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln.
    Ist das Gesicht einseitig verzogen, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen.
    Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sinken oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen.
    Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, um Leben zu retten oder bleibende Behinderungen zu vermeiden. Wählen Sie den Notruf 112 und schildern Sie die Symptome

 

Feinmotorik

Als Feinmotorik bezeichnet man die Bewegungsabläufe kleinerer Muskelgruppen, die fein aufeinander abgestimmt werden müssen. Der Begriff bezieht sich vor allem auf die Motorik der Hand, der Finger, des Mundes sowie der Mimik.

 

FES

FES steht für funktionelle Elektrostimulation und kann als Hilfsmittel bei einer Fußheberschwäche eingesetzt werden. Dabei wird der Wadenbeinnerv von außen mittels auf der Haut aufgebrachter Elektroden aktiviert. Der Fuß hebt sich wieder. Dies kann das Gehen erheblich erleichtern und Kräfte schonen, da die Bewegungen natürlicher werden und man sich weniger auf seine Schritte konzentrieren muss.

 

Grobmotorik

Als Grobmotorik bezeichnet man - im Gegensatz zur Feinmotorik - die Bewegungsfunktionen des Körpers, welche der Gesamtbewegung dienen (z.B. Laufen, Springen, Hüpfen), und mit einer großen Bewegungsamplitude einhergehen.

 

Hämorrhagischer Infarkt

Von einem hämorrhagischen Infarkt spricht man, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt. Als Folge kommt es zu einer Blutung im Gehirn, deswegen spricht man auch von einem „roten Infarkt“.

 

Hilfsmittel

Hilfsmittel sind Gegenstände, die im Einzelfall erforderlich sind, um einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen. Nach einem Schlaganfall können ganz unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Beispielsweise gibt es Hilfsmittel, die im alltäglichen Leben helfen, etwa Duschhocker. Andere ermöglichen Mobilität, wie Rollatoren oder Rollstühle (es gibt Ausführungen, die einhändig bedienbar sind, was nach einem Schlaganfall häufig wichtig ist). Auch Orthesen können zum Einsatz kommen, um die Mobilität zu verbessern und Schmerzen zu vermeiden.

 

Ischämischer Infarkt

Beim ischämischen Infarkt kommt es zu einer Minderdurchblutung. Hier spricht man auch von einem „weißen Infarkt“.

 

Kinästhetik

Die Kinästhetik ist ein Handlungskonzept, mit der die Bewegung von Patienten schonend unterstützt wird (z.B. ohne Heben und Tragen). Mit ihrer Hilfe soll die Motivation des Pflegebedürftigen durch die Kommunikation über Berührung und Bewegung deutlich verbessert werden.

 

Kontraktur

Der Begriff Kontraktur bezeichnet die Versteifung eines Gelenks, infolge der Verkürzung von Muskeln und Sehnen auf der Grundlage von Immobilität, die beispielsweise bei Bettlägerigkeit, Inaktivität, Lähmungen und Schonhaltungen auftreten kann.

 

Linksseitig / rechtsseitig

Die Symptome eines Schlaganfalls sind abhängig davon, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Ist die linke Hirnhälfte geschädigt, treten Lähmungen auf der rechten Seite auf. Außerdem kann das Sprachzentrum betroffen sein, so dass der betroffene Schwierigkeiten hat, sich auszudrücken. Betrifft die Schädigung die rechte Hirnhälfte, können Lähmungen auf der linken Körperseite auftreten.

 

Logopädie

Logopädie bezeichnet die medizinische Sprachheilkunde. Nach einem Schlaganfall leiden viele Patienten an Sprach- und Schluckstörungen (Dysphagie). Diese können mit Hilfe eines Logopäden therapiert werden.

 

Lyse / Thrombolyse

Verstopft ein Blutpfropf, ein Thrombus, ein Gefäß, muss dieses schnellstmöglich aufgelöst werden, damit die Durchblutung nicht weiter unterbrochen ist. Der Fachbegriff hierfür ist Thrombolyse oder kurz Lyse.

 

Ödem

Ein Ödem ist eine Schwellung des Gewebes aufgrund einer Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem. Bei einer halbseitigen Lähmung nach einem Schlaganfall kann durch mangelnde Bewegung der Lymphabfluss gestört sein und ein Ödem bildet sich.

 

Parese

Eine Parese ist eine unvollständige Lähmung.

 

Physiotherapie

Mit Hilfe von Physiotherapie sollen Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederhergestellt, verbessert oder erhalten werden.

 

Plegie

Eine Plegie ist die komplette Lähmung eines oder mehrerer Muskeln. Man kennt verschiedene Formen einer Plegie. Bei einer Monoplegie ist ein Arm oder Bein komplett oder abschnittsweise gelähmt. Eine Hemiplegie zeichnet sich dadurch aus, dass eine ganze Körperseite vollständig gelähmt ist.

 

PNF

Propriozeptive Neuromuskuläre Facilitation (PNF) ist eine funktionelle Behandlung im Rahmen der Physiotherapie bei der komplexe Bewegungsabläufe gebahnt werden. Gefördert wird die funktionelle Einheit von Nerv und Muskel über äußere und verbale Reize.

 

Propriozeption

Propriozeption bezeichnet die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum bzw. der Lage/Stellung einzelner Körperteile zueinander.

 

Schlaganfall / Apoplex

Ein Schlaganfall ist eine Störung der Gehirnfunktion, die mehr als 24 Stunden anhält. Dazu kommt es aufgrund einer plötzlichen Minderversorgung eines Hirnbereichs mit Blut. Ein Gehirnbereich wird also nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Es besteht die Gefahr, dass die betroffenen Zellen absterben. Je nachdem wie stark und wie lange die Durchblutung beeinträchtigt ist, kann das betroffene Gehirnareal seine Aufgabe entweder vorläufig oder dauerhaft nicht mehr erfüllen. Folgen können zum Beispiel Probleme beim Sprechen, Lähmungen von Gliedmaßen, ein hängender Mundwinkel oder Sehstörungen sein.

 

Schulter-Hand-Syndrom

Die betroffene Hand neigt aufgrund der Veränderungen von Muskeltonus und Innervation zum ödematösen Anschwellen. Vermieden werden sollten längeres Herunterhängen des betroffenen Armes (vgl. Subluxation) und ein Abknicken der Handinnenfläche, da dies den venösen und lymphatischen Rückfluss behindert.

 

Selbsthilfegruppe

Nach einem Schlaganfall ändert sich vieles. Häufig ist es für Betroffene und auch Angehörige sinnvoll, sich mit anderen darüber auszutauschen. In Selbsthilfegruppen kann man dies tun.

In Kiel ist KIBIS die zentrale Anlaufstelle für Selbsthilfegruppen.

 

Spastik

Eine Spastik ist eine erhöhte Eigenspannung der Muskulatur, die immer auf eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks zurückzuführen ist. Dabei ist eine Spastik keine Krankheit, sondern immer ein Symptom. Spastiken könne in sehr unterschiedlicher Form auftreten.

 

Spitzfuß

Ein Spitzfuß ist eine Fehlbildung des Fußes, die durch eine längere Inaktivität der fußhebenden Muskulatur verursacht wird. Der Fuß ist in Beugung (Plantarflexion) im oberen Sprunggelenk fixiert.

 

Stroke Unit

Die Stroke Unit ist eine spezielle Station im Krankenhaus, die auf die Erstversorgung von Schlaganfall-Patienten (engl. Stroke = Schlaganfall) spezialisiert ist. Sie ist an eine neurologische Station angegliedert. Hier wird geschaut, welche Ursache der Schlaganfall hatte und wie die Behandlung ablaufen soll.

 

Subluxierte Schulter

Bei 80% aller halbseitengelähmten Menschen sitzt der Humeruskopf (Oberarmkopf) der betroffenen Seite nicht mehr korrekt in der Schultergelenkspfanne. Ursachen sind die Fehlstellung des Schulterblatts und die fehlende muskuläre Gelenkführung durch die Lähmung im Schulter- Arm- Bereich. Der Arm hängt herunter. Eine subluxierte Schulter kann sehr schmerzhaft sein.

 

TIA

TIA steht für „Transischämische Attacke“ und bedeutet, dass Gefäße kurzzeitig verschlossen sind. Dadurch kommt es zu neurologischen Ausfällen, die sich nach Minuten bis höchstens 24 Stunden völlig zurückbilden.

 

Thrombus

Thrombus ist der medizinische Begriff für ein Blutgerinnsel. Wandert dieser ins Gehirn, kann er dort durch Verstopfen der Blutgefäße einen Schlaganfall auslösen. Auslöser sind oft Herzrhythmusstörungen.

 

Vojta-Therapie

Die Vojta-Therapie ist eine physiotherapeutische Behandlungsmethode bei Störungen des zentralen Nervensystems und des Haltungs- und Bewegungsapparates. Wichtig in dieser Therapie sind die sogenannten Reflexbewegungen. Unter Reflex versteht man eine stets gleiche Reaktion auf einen bestimmten Reiz, die nicht bewusst gesteuert werden kann. In der Vojta-Therapie werden Haltungen eingenommen, die gezielt bestimmte Reflexe auslösen.